Ein Pianist und Komponist der mit 14 Jahren starb – und dessen Musik heute neu entdeckt wird.
„Wenn dieser Kleine zu reisen beginnt, werde ich meinen Laden schließen müssen." Dieser Satz stammt von Franz Liszt – dem vielleicht größten Pianisten seiner Zeit. Er sagte ihn über einen Zwölfjährigen aus Siebenbürgen.
Carl Filtsch (1830–1845) war kein gewöhnliches Wunderkind. Er war Chopins Lieblingsschüler, wurde von Liszt, Meyerbeer und Anton Rubinstein gefeiert – und starb mit vierzehn Jahren, bevor die Welt erfahren konnte was aus ihm geworden wäre.
Aus Siebenbürgen nach Paris
Carl wurde 1830 in Mühlbach (heute Sebeș, Rumänien) als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren. Schon mit drei Jahren spielte er Klavier – unterrichtet vom Vater. Mit sieben reiste er nach Wien, wo er bei Friedrich Wieck – dem Vater von Clara Schumann – Unterricht erhielt und am Kaiserhof als Musizier- und Spielgefährte des gleichaltrigen späteren Kaisers Franz Joseph eingeführt wurde.
Im Februar 1841 debütierte er im Wiener Musikverein. Die Presse war begeistert: man bewunderte den „hohen Grad von Vollkommenheit" und seine „Kunstfertigkeit in Ton, Vortrag, Ausdruck, Kraft und Schattierung".
Im Dezember 1841 kam Carl mit seinem Bruder Joseph nach Paris – und suchte sofort Chopin auf.
Chopins Lieblingsschüler
Chopin unterrichtete fast nie Kinder. Und er gab seinen Schülern in der Regel nicht mehr als eine Stunde pro Woche. Carl Filtsch bekam drei.
Die beiden verband mehr als ein Lehrer-Schüler-Verhältnis. Chopin ließ Carl seine eigenen Werke vortragen – manchmal gemeinsam an zwei Klavieren. Später schrieb Chopin über seinen jungen Schüler: „Mein Gott! Ein solches Kind! Niemand hat mich je so verstanden!"
Ein zeitgenössischer Kritiker schrieb nach Carls Abschlusskonzert in Paris: die Erinnerung an Liszt vor zwanzig Jahren sei wachgekehrt, und man dürfe diesen Jungen mit Mozart vergleichen. In England waren die Stimmen noch enthusiastischer. Einer schrieb: „Man muss zugeben dass der Schüler den Meister übertroffen hat."
Komponist mit eigener Stimme
Carl Filtsch hinterließ ein kleines aber bemerkenswertes Œuvre. Seine Klavierstücke zeigen deutlich den Einfluss Chopins – aber keine blinde Imitation. Sangliche Melodien, feine Harmonien, romantischer Klavierklang – und eine erstaunliche Reife für jemanden der sie als Kind schrieb.
Für Pianisten die abseits des bekannten Repertoires suchen, sind seine Stücke eine echte Entdeckung: musikalisch tief, technisch zugänglich und mit dem besonderen Reiz des fast Vergessenen.
Ein Ende in Venedig
1844 wurde Carl Filtsch nach Venedig gebracht um sich zu erholen. Er starb dort im Mai 1845 – einen Tag nach seinem fünfzehnten Geburtstag. Was aus ihm geworden wäre, lässt sich nur erahnen. Liszt jedenfalls war sich sicher.
Seit 1995 wird in Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien jährlich das Carl Filtsch Festival ausgerichtet – ein internationaler Klavier- und Kompositionswettbewerb der das Erbe dieses außergewöhnlichen Musikers lebendig hält. Mehr Informationen auf filtschpianocompetition.com.
Filtsch spielen – unsere Ausgaben
Wir haben zwei Ausgaben von Carl Filtsch sorgfältig ediert und veröffentlicht – beide besonders geeignet für Schüler, den Unterricht und alle die eine romantische Entdeckung suchen.
Sechs Préludes – Erstveröffentlichung: Edierte Ausgabe nach den originalen Skizzen
Sechs kurze Préludes, sorgfältig rekonstruiert aus Filtschs Handschriften. Jedes Prélude umfasst nur rund 16 Takte und ist übersichtlich auf je einer Seite in klarem, modernem Layout gesetzt. Leicht bis mittelschwer – ideal für Schüler-Vorspiele, romantische Repertoire-Erweiterung oder einfach die Freude an einer echten Entdeckung.
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Une Variation – eine lyrische Miniatur in Des-Dur
Auf nur 19 Takten und zwei Seiten entfaltet sich eine sangliche Variation von erstaunlicher romantischer Schönheit. Die Melodie schwebt mit natürlicher Eleganz über feinen Harmonien die bereits den Einfluss Chopins spürbar machen. Technisch einfach bis mittelschwer – eine poetische Miniatur für Vorspiele oder das leise Entdecken eines vergessenen Talents.
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