Eine der vielseitigsten Musikerinnen des 19. Jahrhunderts – und warum ihre Werke heute mehr gespielt werden denn je.
Pauline Viardot-García (1821–1910) war Mezzosopranistin, Pianistin, Komponistin, Gesangslehrerin und Gastgeberin eines der bedeutendsten Musiksalons Europas – alles in einer Person. Wer ihren Namen nicht sofort einordnen kann, ist in guter Gesellschaft. Dabei war sie zu Lebzeiten eine der gefeiertsten Musikerinnen des Kontinents und verkehrte selbstverständlich auf Augenhöhe mit Berlioz, Brahms, Saint-Saëns und Turgenjew.
Ihre Werke werden gerade neu entdeckt – nicht zufällig: das gewachsene Interesse an Komponistinnen die lange im Schatten ihrer männlichen Zeitgenossen standen hat Viardot wieder ins Licht gerückt. Was dort zum Vorschein kommt, überzeugt: zugängliche, ausdrucksstarke Musik von jemandem der genau wusste wie sie klingt und wie sie wirkt.
Ein Leben zwischen den Kulturen
Pauline wurde 1821 in Paris als Tochter des spanischen Tenors Manuel García geboren. Die Familie war Musik durch und durch – ihre Schwester Maria Malibran zählte zu den berühmtesten Opernsängerinnen ihrer Zeit. Pauline erhielt Klavierunterricht bei Franz Liszt und Kompositionsunterricht bei Anton Reicha. Nach dem frühen Tod der Schwester trat sie als Opernsängerin in deren Fußstapfen.
Zwischen 1839 und 1863 feierte sie Triumphe an den großen Opernhäusern Europas – Paris, London, Sankt Petersburg, Wien. Ihr dramatischer Mezzosopran, ihre sprachliche Vielseitigkeit und ihre außergewöhnliche Darstellungskunst machten sie zur meistgefragten Interpretin ihrer Zeit.
In Baden-Baden führte sie einen der lebendigsten Musiksalons des 19. Jahrhunderts. Zu ihren Gästen zählten Theodor Storm, Richard Wagner und das badische Großherzogspaar. Eine kleine Anekdote am Rande: Der russische Schriftsteller Iwan Turgenjew, dem sie 1843 in Sankt Petersburg begegnet war, folgte ihr und ihrem Mann Louis Viardot jahrzehntelang durch Europa – das Dreigestirn lebte phasenweise zusammen in Baden-Baden, was damals für reichlich Klatsch sorgte und heute wie ein Roman klingt.
Als sie 1870 nach Paris zurückkehrte, setzte sie ihren Salon in der rue de Douai fort. Dort verkehrten Berlioz, Fauré, Gounod, Saint-Saëns – und Massenet, dessen Durchbruch sie mit der Uraufführung seines Oratoriums „Marie-Magdeleine" entscheidend förderte.
Viardot als Komponistin
Nach dem Ende ihrer Bühnenkarriere widmete sich Viardot intensiv dem Komponieren. Ihr Œuvre umfasst Klavierstücke, Lieder, Liedbearbeitungen und kammermusikalische Werke – geschrieben mit dem Gespür einer Interpretin die genau wusste was Musiker und Publikum bewegt.
Ihre Klavierstücke haben Charakter ohne übermäßig virtuos zu sein: die Mazurka trägt einen federleichten Tanzrhythmus in sich, die Gavotte ist elegant und klar strukturiert, die Deux Airs de Ballet bewegen sich zwischen verspielter Leichtigkeit und lyrischer Tiefe. Die meisten Stücke sind für fortgeschrittene Anfänger und Mittelstufe gut spielbar – und eignen sich ebenso für den Unterricht wie für kleine Konzertprogramme die abseits des üblichen Repertoires suchen.
Wer einmal abseits von Beethoven, Chopin und Schumann schauen möchte – hier lohnt sich der Blick.
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Klavierstücke: - Deux Airs de Ballet – Malicieuse (Klavier Solo) - Deux Airs de Ballet – Moderato (Klavier Solo) - Mazurka – pour piano (Klavier Solo) - Serenade – pour piano (Klavier Solo) - Gavotte – pour piano (Klavier Solo) - Finnisches Lied (Klavier Solo) - Er ist's (Klavier Solo)
Gesang und Klavier: - Rosenzeit (Gesang + Klavier)